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Marlitt Wendt
und Maraschino

Zügellos reiten

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Wie für viele von uns bedeuteten die Pferde für mich schon immer das große Glück dieser Erde. Seit den ersten Runden auf dem Pony von Bekannten meiner Eltern stand mein Wunsch fest: reiten lernen und bei den Pferden sein.
Meine Eltern erfüllten meinen Wunsch, indem sie mir seit meinem sechsten Lebensjahr regelmäßigen Reitunterricht ermöglichten. Es begann eine typische „Reitschulkarriere“: Vom Shetlandpony über meine geliebten New-Forest-Ponies bis zum Holsteiner. Die obligatorische vielseitige FN-Ausbildung: Dressur, Springen, Gelände. Die „Highlights“ waren Ausritte, Turniere, Reiterpass- und Abzeichenlehrgänge, Ringreiten, Weihnachtsmärchen, Schaubilder, Ponyrennen, Remontenausbildung. Viele Außenstehende sagten immer: „Sei dankbar, dass du alles ausprobieren kannst. Hier kannst du viel lernen.“ Mir fehlte immer die wahre Beteiligung der Pferde. Sie waren oft mental praktisch nicht anwesend. Ob sie Spaß an den Reitstunden hatten oder nicht war nebensächlich, sie dienten dazu, einem die Technik des Reitens zu vermitteln.
Ich wurde in den vielen Reitschuljahren nie richtig glücklich, es kam mir immer sehr mechanisch und hart vor. Die immer gleiche Antwort auf meine Fragen war: „Erhöhe den Druck, bis das Pferd macht was du willst und lasse dann locker.“ Schon damals war mir schleierhaft, was das Ausüben von Druck mit Leichtigkeit zu tun hat und ob ein Mensch überhaupt nur um Spaß an seinem Hobby zu haben Druck auf ein anderes Lebewesen ausüben darf.
Eins hat meine Jugendzeit mir in Bezug auf die Pferde tatsächlich ermöglicht: Die Erfahrung, mit sehr vielen verschiedenen Pferden arbeiten zu können und die Möglichkeit auch Jungpferde ausbilden zu dürfen.
Als ich mein späteres Pony Maraschino kennen lernte, war er zwei Jahre alt. Alle Wege standen uns noch offen. Und ich wollte mich auf einen „alternativen“ Weg begeben. Also versuchte ich bei seiner Ausbildung, mein Wissen über die Jungpferdeausbildung mit modernen Ideen zu verbinden. Das Problem war nur: ich wusste zunächst nicht so recht, wie. Immer wieder merkte ich, dass zwar alles klappt, aber es dennoch nicht genau das war, was ich mir erträumt hatte.
Ich begab mich also auf die Suche. Zunächst dachte ich, das Glück würde in einem Wechsel der Reitweise liegen. Von meiner FN-Ausbildung wechselte ich zunächst zu Kursen in klassischer Dressur. Dort stellte ich fest, dass meist zwar viel von „anderem Reiten“ und von „Leichtigkeit“ geredet wurde, es mir aber tatsächlich genauso streng und überholt vorkam wie die FN-Richtlinien. Denn für wen ist es leicht, wenn man ein Pferd mit der Gerte oder mit den Sporen zur Mitarbeit „überreden“ muss. Wohl kaum für das Pferd…
Ich unternahm einen kurzen Abstecher zum Westernreiten. Hier wurde viel von horsemanship geredet und von Körpersprache geschwärmt. Ich musste leider feststellen, dass ich auch hier das gleiche Grundprinzip wiedertraf: Übe so wenig Druck wie möglich aus, aber soviel wie nötig, koste es was es wolle. Es blieb die Frage, ob es nicht noch etwas anderes als Druck gibt.
Die iberische Reitweise gab mir technisch viele neue Impulse. Hier habe ich viel über den „richtigen“ Moment, die Koordination der Hilfen und über meine Körperbeherrschung gelernt. Aber eines fehlte immer noch: Wie komme ich ohne Druck aus? Wie kann das Reiten auch den Pferden richtig Spaß machen?
Nun beobachtete ich Pferdetrainer, die vorgaben, gewaltfrei zu arbeiten. Aber ist es gewaltfrei, ein Pferd im Round Pen vor sich her zu jagen oder macht es einen Unterschied, ob ich mit der Gerte schlage oder mit einem Seil werfe? Einen graduellen Unterschied sicher schon, aber für mich war der Unterschied nicht weitreichend genug.
Dann kam die Erkenntnis, dass ich bei der Suche nach einer Alternative eine Stufe weiter oben ansetzen musste. Es ging nicht um die Reitweise, sondern um die Ausbildungsmethode, die leider überall gleich war. In der herkömmlichen Version ist es egal, ob man western, klassisch oder nach Herrn Sowieso reitet, überall wird der Druck erhöht, bis das Pferd macht, was man verlangt, erst dann lässt der Druck nach. Erst der Wechsel zu einer anderen Ausbildungsmethode bringt eine neue ethische Betrachtungsdimension mit sich.
Das theoretische Hintergrundwissen zu einer neuen Ausbildungsmethode brachte mein Biologiestudium mit dem Schwerpunkt Verhaltensforschung. Hier lernte ich die neuesten Erkenntnisse zum Lernverhalten der Tiere kennen.
Durch eine neue Freundschaft lernte ich das Clickertraining als moderne Methode des Tiertrainings kennen. Ich war begeistert: Endlich konnte ich das machen, was ich immer schon wollte: die Pferde belohnen für das, was sie konnten. Mit Ihnen gemeinsam die Welt genießen.
Diese Verbindung von theoretischem Wissen und praktischer Umsetzung legte den Grundstein zu meiner Arbeit.
Wir alle wollen glücklich sein und sollten nicht auf Kosten anderer, sondern mit ihnen gemeinsam das Glück finden.
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